Das Carreeprojekt

Das Schlosscarree in Zahlen 
Von den Anfängen bis zur Gegenwart 

Mit Fertigstellung des Neubaus im Jahr 2008 ist das Schlosscarree zu einem innerstädtischen multifunktionalem Zentrum geworden und vereint nunmehr die Bereiche Gesundheit, Wellness, Einzelhandel und Wohnen.


Foto: Bormann / © Schlosscarree

 

Bei der Realisierung standen Bauherr und Architekt vor einer großen Herausforderung. Die neu hinzugekommenen 14.000 m² Medizin- und Einzelhandelsfläche mussten in eine bereits bestehende Wohnbebauung integriert werden. 

Zudem musste sich das gesamte Ensemble einfügen in das Flair, welches die Schloss-Arcaden mit der originalgetreuen Fassade des alten Braunschweiger Residenzschlosses ausstrahlen.

Entstanden ist eine interessante architektonische Meisterleistung, wie sich jeder vor Ort selber überzeugen kann.

Das Schlosscarree in Zahlen

  Grundstück
• Vermietbare Fläche
• Gesamt:      24.809 qm
• im Neubau:      13.389 qm
• Bestand:      11.420 qm

  Mietstruktur Gesamtobjekt
• Medizin – Gesundheit ca. 10.000 qm
• Einzelhandel, Gastronomie, Bank          ca.   6.400 qm
• Büro und sonst. Gewerbe ca.   2.150 qm
• Wohnungen ca.   7.000 qm
• Tiefgarage 80 Stellplätze

  Neubauvorhaben
• Vorbereitungszeit 2 Jahre
• Realisierungszeit 1,5 Jahre
• Fertigstellung IV. Quartal 2008  





Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Dr. Bernd Wedemeyer

Das Schloßcarree steht wie alle Neubauten in der Braunschweiger Stadtmitte auf einem sehr alten Baugrund. Die Anfänge dieses Stadtquartiers lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen.

Mittelalter
Das Schloßcarree nimmt heute einen großen Teil eines zentralen Stadtquartiers ein, welches schon im Mittelalter vom Bohlweg im Westen und vom Steinweg im Norden begrenzt wurde. Beide Straßennamen werden bereits 1239 erwähnt.

Mitten durch das Viertel führte ein kleiner Bachlauf, der an den hier ansässigen Wirtschaftshöfen der Ordensritter der Templer (später Johanniter bzw. geistliche Matthäus-Kalandsbruderschaft) vorbeifloß. Dieser Nachbarschaft wegen erhielt der Bach den bedeutenden Namen „ridderborn“ bzw. „Ritterbrunnen“.

Schon frühzeitig wurde am Bach ein kleiner Zufahrtsweg angelegt, aus dem später die Straße „Am Ritterbrunnen“ hervorging. Das links an dem Weg gelegene, nordwestliche Viereck entspricht genau dem Bereich des heutigen Schloßcarrees.

Das Quartier wies schon im Mittelalter eine Mischbebauung auf. Im nördlichen Teil am Steinweg siedelten die Bürger und Handwerker, während der südliche Teil, der heute zu Straße und Platz Am Ritterbrunnen weist, bis ins frühe 18. Jahrhundert den Nachfolgern der Ritterhöfe vorbehalten blieb.

Barocke Residenz Grauer Hof
Auf den Grundstücken der Ritterhöfe wurde ab 1717 ein Schloßgarten angelegt, als Teil einer neuen Residenz unter den Braunschweiger Herzögen. Das Schloß selber, der Graue Hof, wurde in direkter Nachbarschaft am Bohlweg mit Richtung zur Stadt erbaut.

Die Ritterhöfe verschwanden nach und nach, und schließlich ging auch der letzte Rest, die alte St. Matthäuskapelle 1756 im Geheimen Schloßarchiv auf, so daß sich hier das Residenzschloß und die Bürgershäuser dicht gegenüber standen.

Der Ritterbrunnen-Bach blieb noch erhalten, und sein gerader Nord- Südverlauf durchschnitt den weiten Schloßgarten. An diesem Gegensatz - Schloßgarten im Süden und dichte Wohnbebauung im Norden - änderte sich lange nichts.

Neue Residenz
Einen Umbruch gab erst am 7. September 1830, die Zeit der Braunschweiger Revolution, als das alte Schloß niedergebrannt und Herzog Karl II. vertrieben wurde.

Das von Carl Theodor Ottmer neu erbaute Residenzschloss (1831 bis 1841), eine spätklassizistische Dreiflügelanlage mit beherrschender Westfassade und rückseitig gelegenen Seitenflügeln, einem Hof und Treppenrotunde, rückte von der Nähe des Grauen Hofs zu den Wohnhäusern vom Ritterbrunnen ab. Genau an die Stelle, an der das 2005/07 weitgehend wiederaufgebaute Residenzschloß heute steht.

Die frei gewordenen Flächen, die heute direkt vor dem Schloßcarree liegen und wo viele Besucher ihren Kaffee genießen, wurden 1835 in den neuen Schloßpark einbezogen. Von diesem gab es bis Anfang 2008 etwa dort, wo heute der südöstliche Eingang des Carrees liegt, noch einen letzten Rest in Form des sogenannten Platanenhügels aus dem Brandschutt des Grauen Hofs.

Nach 1830 wurde der Wassergraben Ritterbrunnen zugeschüttet, und nur noch die kurze Straße gleichen Namens verblieb. Sie endete am Schloßzaun. Versuche des Schloßbaumeisters, sie zu Ehren des regierenden Herzog Wilhelms in eine „Neue Wilhelmstraße“ umzubenennen, wurden wieder fallengelassen.

Schlossplatz um 1925

Wohnhäuser am Ritterbrunnen
Die Bebauung zwischen Ritterbrunnen und Bohlweg veränderte sich zum Ende des 19.Jahrhunderts. Markant waren am Schloßpark die älteren klassizistischen Gebäude und später am Bohlweg das jüngere Eckhaus mit einem großen Kuppelturm gleich einem Schloßturm, dessen Gestaltung sich deutlich am gegenüberliegenden Schloßgebäude maß. Bis 1920 befanden sich hier die Schlösserverwaltung. Alle diese Gebäude wurden im Krieg zerstört.

Von der alten Wohnhausbebauung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist nur noch an der Straße Am Ritterbrunnen ein Gebäude übrig geblieben.

Auch dessen Architektur bezieht sich deutlich auf den Schloßbau. Feine Sandsteinarbeiten auf der Fassade und gußeiserne Konsolen am Dachgesims lassen es zu einem besonderen Denkmal in der übrigen Neubebauung aus den frühen 1950er Jahren werden.

Erwähnenswert ist hiervon auf der Südwestecke am Bohlweg noch das große Wohn- und Geschäftshaus, das bis zum Ende der 90er Jahre das einst bekannte Cafe Tolle im Erdgeschoß beherbergte. Links auf der Vorderfront zeigt es den denkmalgeschützten, herrlichen Sparappell der Deutschen Bank. Mit seinen Reihen schräg stehender Balkons und dem gewellten, optisch leichten Flugdach gehört es zum Besten in der Braunschweiger Nachkriegsarchitektur.

Umbruch nach dem Schloßabriß
Erst 15 Jahre nach Kriegsende sollte sich das Bild des Stadtquartiers am Ritterbrunnen nachhaltig verändern. Der von energischen Protesten begleitete Abbruch der Schloßruine im Jahre 1960 und die Verlängerung des Verlaufs der Straße Am Ritterbrunnen gingen Hand in Hand.

Anfang 1960 legte man zwischen Bohlweg und Ritterbrunnen eine breite kurvige Trasse an, die das alte gewachsene Areal erstmalig schief durchschnitt.

Schlossplatz 1960

Die Fläche links von der Straße Am Ritterbrunnen mit dem Schloßcarree weist noch heute die uralten Bebauungsgrenzen auf: vor dem Carree liegt in Blickrichtung des neuen Schlosses der erwähnte freie Platz, den die Cafebesucher und Spaziergänger bevölkern. Der Platz geht in den großen Binnenhof vor den Schloßarkaden über, dessen Wasserbecken an die Brunnen in den Schloßparks des späten 19. Jahrhunderts und an die Brunnen der alten Ritterhöfe erinnert.

Neubau am Ritterbrunnen
Der Niedergang der Passage, in den 50er Jahren noch schick und modern, begann in den neunziger Jahren. Erst im Jahr 2006 ergriffen Investoren die Gelegenheit, dem großen uneinheitlichen Gebäudekomplex aus Innenhöfen und niedriger Bebauung zu neuem Leben zu verhelfen. Ende 2008 ist das Schloßcarree fertiggestellt.

Zur besseren Erschließung der neuen Geschäftslagen verknüpfte man Bohlweg und Ritterbrunnen und dessen südlichen Freiplatz. Vom Freiplatz aus hat man nicht nur einen großartigen Blick auf das wiederaufgebaute prächtige Residenzschloß, hier zieht auch eine beliebte Flaniermeile von den Schloss-Arcaden in Richtung Innenstadt vorbei.

In der mehrstöckigen Passagenhalle des Schloßcarrees schaffen die nobel gestalteten Innenfassaden der neuen Gebäudeflügel mit ihren edlen Holzund Metallverkleidungen und der schwebenden Fußgängerbrücken lichte öffentliche Räume, die zum Verweilen und Spazieren einladen. Die hohe Qualität der zeittypischen Formensprache zeigt deutlich, daß die Moderne die aufwendige Architektur der originalgetreu wiederaufgebauten Fassaden des neuen Residenzschlosses zum Maßstab gewählt hatte.

Weitere vertiefende Informationen zur Entwicklung des Stadtquartiers am Ritterbrunnen liefern das Städtische Museum und seine stadtgeschichtliche Abteilung im Altstadtrathaus, das Braunschweigische Landesmuseum und bei Freude an einer direkten Stadtführung vor Ort die Stadtführergilde, die man über die Touristenzentrale am Dom erreichen und auch dort buchen kann.